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Medienmitteilung: Krankenkassen blockieren eine überfällige Korrektur

Mitteilung an die Medien vom 22. Februar 2017

Die Abgeltung der Pflegekosten für Demenzkranke und andere psychogeriatrische Patientinnen und Patienten muss erhöht werden!

Eine sorgfältige, mit Zuwendung verbundene Pflege und Betreuung psychogeriatrischer (also auch dementer) Patientinnen und Patienten erfordert einen grossen Zeitaufwand. Dieser kann durch keine noch so schlauen technokratischen Innovationen verringert werden, sofern Menschenwürde kein leeres Wort sein soll. Als 2001 das patientenbezogene Erfassungssystem(RAI/RUG) in den Alters-und Pflegeheimen eingeführt wurde, war sofort klar, dass die Leistungen für die erwähnte Patientengruppe verzerrt abgebildet und somit völlig ungenügend vergütet wurden.

Deshalb ist es zu begrüssen, dass der Verband gemeinnütziger Basler Alterspflegeheime (VAP)an einer Schweizer Studie teilgenommen hat, um den Pflege-und Betreuungsaufwand für Demente und andere Menschen mit psychogeriatrischen Diagnosen genau zu erfassen. Als Folge davon soll die Abgeltung der Pflegeleistungen in der Psychogeriatrie endlich erhöht werden.

Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt hat per Verordnung den neuen Index per 1.1.2017 in Kraft gesetzt, wodurch die Krankenkassen zusätzliche 5,6 Millionen und der Kanton als Restfinanzierer 7,2 Millionen Franken (auf 5 Jahre gestaffelt) an die Pflegekosten leisten. Dass nun tarifsuisse AG, die zuständige Organisation der Krankenkassen, gegen diese längst fällige Korrektur Beschwerde einlegt, ist schlicht unanständig. Menschen mit Demenz oder anderen psychogeriatrischen Diagnosen sind krank. Und für deren Behandlung aufzukommen, ist Sache der Krankenkassen.

Wenn diese ihre Ausgaben reduzieren wollen, dann sollen sie sich bitte nicht nur mit unverfänglichen Medienerklärungen zieren sondern die Probleme ganz konkret angehen: zum Beispiel gegen die überrissenen Medikamentenpreise oder gegen die Fallkostenpauschalen (DRGs) kämpfen und vor allem gegen weitere Privatisierungen im Gesundheitswesen. Denn es sind genau diese Faktoren, welche für die massive Teuerung der Gesundheitsausgaben verantwortlich sind und die Krankenkassenprämien in die Höhe treiben.

Die wirkliche Qualität des Gesundheitswesens bemisst sich daran, ob die medizinische, pflegerische, menschliche Betreuung der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft gewährleistet ist oder nicht. Es sind gerade die dementen Patientinnen und Patienten, welche zu einer solchen Gruppe von Menschen gehören, die unsere fürsorgliche Zuwendung verdient.

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