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Medienmitteilung: Schliessung der Chrischona Klinik – Rehabilitation ab 2019 nur noch im Felix Platter Spital

Medienmitteilung 28. Oktober 2016

Öffentlichkeit und Politik vor Fait accompli –wo bleibt Transparenz und öffentliche Diskussion?

Die Reha Chrischona, die 76 Betten umfassende Klinik für Rehabilitation nach Spitalaufenthalten im Akutbereich, wurde 1966 oberhalb von Bettingen eröffnet. Sie wurde und wird von der Bürgergemeinde Basel geführt. Im Grünen auf der Chrischona gelegen wurde und wird sie von vielen PatientInnen und Zuweisenden geschätzt, unter anderem auch als Alternative zur Rehabilitationsabteilung des Felix Platter Spitals.

Neben postoperativer Rehabilitation bietet die Klinik auch Rehabilitation nach internistischen Akuthospitalisationen und neuerdings auch nach onkologischen Therapien an. 1982 war sie von der Privatisierung bedroht. Die Klinik sollte an eine private Trägerschaft vermietet werden, Privatversicherte sollten die Klientel sein, von den 76 Betten sollten nur noch 16 Allgemeinversicherten zur Verfügung stehen. Ein von der Linken getragenes Referendum konnte diese Privatisierungspläne der Bürgergemeinde abwenden. Die Chrischonaklinik konnte als soziale Institution erhalten werden.

Am 1.9.2016 verkündete der Direktor des Bürgerspitals, Fritz Jenni, dass die Klinik auf Frühling 2019 geschlossen und ins Felix Platter Spital integriert werde. Das medizinische Personal (120 Personen in 82 Stellen) werde vom Felix Platter Spital übernommen, für die in der Hauswirtschaft und der Administration Tätigen (30 Personen in 21 Stellen) werde intern eine Lösung gefunden. Bereits im Januar 2016 sei entschieden worden, den im Bau befindlichen Neubau des Felix Platter Spitals um einen Stock zu erhöhen und darin die Rehabilitation unterzubringen.

Der Verein Gesundheit für alle ist erstaunt über die Art und Weise, wie dieser Entscheid zustande kam: Keine politische Diskussion, der Grosse Rat hat nichts dazu zu sagen, das Gesundheitsdepartement und damit die Regierung winken den Beschluss durch. Es stellt sich der Eindruck ein, es handle sich um privatwirtschaftliche Unternehmen. Doch ist es noch immer so, dass das Gesundheitsdepartement im Auftrag des Grossen Rates Leistungsaufträge erarbeitet und verhandelt, dass ein Grossteil der Kosten von der öffentlichen Hand getragen wird.

Ob die Bausubstanz so marode ist, wie nun in der Begründung der Schliessung argumentiert wird, kann Gfa nicht beurteilen. Vor einem Jahr wurde noch ein Therapiebad saniert und mit viel Öffentlichkeit eingeweiht, was eher dagegen spricht. Im Jahresbericht 2015 (im April 16 erschienen) wird kein Wort über die nun so problematische Bausubstanz verloren. Über den Vorteil einer Klinik im Grünen abseits vom Zentrum kann mit gutem Recht diskutiert werden (dass sie zu weit weg sei, um Besuche zu machen, ist eher eine Ausrede, ist man doch mit Tram und Bus vom Marktplatz in 37 Minuten vor der Klinik).

Konsilien von Spezialärzten hingegen sind bei zunehmend komplexeren medizinischen Fragestellungen im Zentrum einfacher zu erbringen.
Dass das Personal übernommen werden soll, ist erfreulich, dass damit kein Personalabbau im Rehabereich einhergeht, keinesfalls gesichert: Es besteht seit Jahren eine Tendenz der Versicherungen, für Rehabilitationsaufenthalte zurückhaltender Kostengutsprachen zu gewährleisten. Um die heute hohe Qualität der Rehabilitationsmedizin zu erhalten, müssen verschiedenste Fragen beantwortet werden.

Fragen, die der Öffentlichkeit weder gestellt noch breit diskutiert werden oder wurden. Gesundheit für alle ist verwundert, dass ausser zwei Interpellationen im Grossen Rat keine Äusserungen von Widerstand oder Empörung gegenüber der Art der Entscheidungsfindung und Kommunikation zu hören sind.

Gesundheit für alle ist der Ansicht, dass derartige Entscheide, die die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung betreffen, öffentlich diskutiert und im Parlament traktandiert werden sollen. Es geht um demokratische Mitsprache und Kontrolle bei wichtigen Weichenstellungen, die PatientInnen und Mitarbeitende betreffen.

Bevölkerung und Grosser Rat werden so vor vollendete Tatsachen gestellt und können die damit verbundenen finanziellen Folgen (Leistungsaufträge) höchstens noch abnicken.
Als Mindestforderung für die Zukunft des Rehabilitationsbereiches in Basel fordert Gesundheit für alle, dass das gesamte Personal der Chrischonaklinik vom Felix Platter Spital übernommen wird und dass das Rehabilitationsangebot in Basel nicht reduziert wird. Zudem sind wir der Ansicht, dass das Spitalgesetz so geändert werden soll, dass Kooperationen, Übernahmen, Beteiligungen, Veräusserung und Fusionen vom Grossen Rat genehmigt werden müssen.

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